Die Elysée S01E04

„Das Licht der Fremden“


1 — Ein neues Leuchten

Die Elysée lag wie ein ruhiger Atemzug über der Nachtseite des Planeten. Weit unter ihr glommen die Linien der alten Struktur, ein Netz aus Licht, das Täler verband und Höhenkämme umspülte, als hätte jemand Sterne in die Erde genäht. Der Ring im Orbit leuchtete nur noch gedämpft, doch seine innere Ordnung war spürbar wie das Ticken einer Uhr.

Captain Armand Keller betrat die Brücke. Er hatte den Blick eines Mannes, der die Nacht berechnet statt sie zu verschlafen. Ward stand am Taktikpult, die Arme verschränkt, ihr Schatten scharf am Boden. Zhou beugte sich über Energiekurven, Amira blätterte ruhig durch Spektren; Hiro Tanaka stand davor, als sähe er sie zum ersten Mal – und doch schon immer.

„Berichte“, sagte Keller.

„Oberfläche stabil“, antwortete Amira. „Die unterirdische Matrix speist weiterhin Energie in das Netz. Keine impulsiven Peaks, nur langsame, geordnete Verteilung. Wie ein Kreislauf.“

„Der Ring?“

Zhou sah auf. „Zurück im Standby. Aber nicht aus. Er lauscht.“

Ward wechselte zum Seitenpanel. „Und im fernen Orbit bleibt die Quelle der menschlichen Codierung schwach aktiv. Keine Bewegung. Die Nereus schweigt.“

Keller nickte. „Dann halten wir uns an das, was wir sehen. Keine Spekulationen. — ORION?“

Die Hologestalt der KI trat ruhig an seine Seite. „Ich erhalte eine zweite Schicht im Feld des Planeten. Nicht vom Ring, nicht vom Archiv. Es ist … weich. Diffus. Und hat keine klaren Kanten.“

„Kein Gerät“, murmelte Amira.

„Vielleicht eine Präsenz“, sagte Tanaka.

Keller antwortete nicht. Seine Augen hatten sich an einen Punkt am Rand der Hauptprojektion geheftet, an dem die Nacht sich anders schwärzte. Es war kein Schatten. Es war die Abwesenheit von Schatten. Und es bewegte sich.


2 — Signale ohne Alphabet

Die Sensorschirmen füllten sich mit leisen, vibrierenden Kurven. Keine Sprache, kein Code. Eher Wellen in einem stillen See, der unter der Oberfläche atmete.

„Das ist kein Ruf nach draußen“, sagte Amira. „Das ist ein… Einfühlen. Als würde etwas unsere Frequenz stimmen.“

„Wie ein Musiker vor dem ersten Ton“, ergänzte Zhou.

„Oder wie ein Chirurg vor dem ersten Schnitt“, erwiderte Ward.

Hiro Tanaka trat näher ans Holo. Er fuhr mit der Hand durch die Projektion, drehte die Felder leicht, als würde er die Luft selbst kippen. Die Muster lugten hervor wie Fische, die nicht gefangen werden wollten.

„Wir hatten Geometrie. Wir hatten Rhythmus. Das hier ist Gestalt“, sagte er leise. „Kein Alphabet, sondern Komposition.“

„Kann man antworten, ohne zu lügen?“, fragte Keller ruhig.

„Vielleicht nur, wenn der Körper antwortet“, sagte Amira. „Nicht das Funkgerät.“

Keller wandte sich an ORION. „Kannst du unsere gesamte Schiffssignatur – Wärme, Felder, Mikro-Vibrationen – in einem einzigen, klaren Muster ordnen? Keine Nachricht, nur… Haltung?“

„Ich kann unser Rauschen glätten“, sagte ORION nach kurzem Zögern. „Eine Art ruhiges Atmen.“

„Tu’s. Und sehr, sehr leise.“

Zhou hob die Hände, als würde sie einen Chor dirigieren. Überall an Bord sanken Lastspitzen, Pumptakte verschoben sich, Regelkreise entkoppelten. Die Elysée wurde nicht stumm, aber still. Ein Schiff, das entschied, niemanden zu übertönen.

Auf der Projektion änderte sich sacht die zweite Schicht. Sie schlug weniger aus. Sie näherte sich an. Und dann geschah etwas, das niemand auf der Brücke benennen konnte: Der Raum selbst wurde freundlicher.

Ward sagte es laut. „Ich mag nicht, wenn Raum freundlich wird.“

Keller nickte kaum merklich. „Ich auch nicht. Aber wir sind hier.“


3 — Das erste Licht

Es war kein Objekt. Es war der Abdruck eines Objekts in Licht. Über der Tag-Nacht-Grenze wölbte sich ein milchiger Schein vom Boden empor und blieb stehen, als hätte er das All gefunden. Er war nicht weiß, nicht blau, und doch erinnerte er an beides; ein Licht, das man mehr in den Augen als auf den Flächen sah.

„Höhe konstant 112 Kilometer über Oberfläche“, meldete ORION. „Relativgeschwindigkeit: Null. Es ruht an einem Punkt.“

„Eine Projektion?“, fragte Ward.

„Oder ein Körper, der Licht nicht in unsere Richtung, sondern um uns herum abgibt“, sagte Amira. „Wie Tarnung, nur liebenswürdig.“

„Was will es?“, fragte Zhou, ohne den Blick abzuwenden.

„Vielleicht nichts“, sagte Tanaka. „Vielleicht will es nur nicht bedrohen.“

Die Projektion auf dem Hauptschirm wechselte. Das Licht formte eine Zone, deren Rand nicht scharf, sondern entschieden war. Innerhalb dieses Randes altern die Messwerte, kippten, fanden erneut Gleichgewicht. ORION stellte den Vergleich nebeneinander. Außen: das System wie immer. Innen: etwas Neues.

„Ein Fenster“, flüsterte Amira. „Kein Portal, kein Tunnel. Ein Sichtfeld in eine andere Zustandsordnung.“

„Wir bleiben draußen“, sagte Ward sofort.

Keller schwieg lange genug, dass jeder sein Schweigen hörte. Dann: „Wir bleiben vorerst draußen.“


4 — Stimmen, die keine sind

Es klopfte nicht in den Ohren. Es klopfte in den Gedanken. Nicht laut – wie ein Herz, das man erst bemerkt, wenn man vorher geschwiegen hat. Mara O’Neill hob den Kopf an der Pilotenkonsole. In der MedBay sah Dr. Varga vom Mikroskop hoch. In der Hydroponik hielt Zara die Finger in den Nebel der Düsen, als wisse der Nebel etwas.

Amira legte langsam die Handfläche auf die Brückenreling. „Fühlt ihr das?“

„Ja“, sagte Zhou. „Aber ich will es nicht fühlen.“

Hiro holte Atem. „Es ist nicht invasive. Es ist ein Tastreiz. Wie bei Neugeborenen. Handfläche, Ansatz des Greifreflexes.“

Ward sah zu Keller. „Wir sind keine Neugeborenen.“

„Aber vielleicht sind wir es für sie“, sagte er ruhig.

Auf dem Schirm glomm eine Linie auf – keine Sprache. Eine Welle, die in drei saubere Schwingungen zerfiel, dann auslief. Nach exakt vier Sekunden: wieder. Drei Schwingungen. Auslauf. Und noch einmal.

„Dreiklang“, murmelte Tanaka. „Keine Töne. Verhältnisse.“

Amira nickte. „Das ist Musik, wenn Musik Mathematik wird.“

„Antwort?“, fragte Keller.

Amira hob den Blick. „Unsere Haltung hatten wir. Jetzt ein Motiv. Nicht von uns – zu groß ist vermessen. Aber eine Spiegelung ihrer Form in unserer Physik.“

„Wie bei Episode 2“, brummte Ward, „nur diesmal wissen wir, was wir tun.“

„Tun wir?“, fragte Zhou.

„Genug“, sagte Keller. „Minimal. Einmal. Kill-Switch bereit.“

Hiro und Amira legten ihre Sequenz. Kein Funk, kein Laser. Eine Ordnung im Schiff – kaum mehr als ein gemeinsamer, weicher Puls, der sich durch Metall und Feld legte. Die Elysée atmete weit.

Das Licht draußen änderte nicht Farbe, nicht Form. Aber der Rand kam näher. Um eine Handbreit. Und blieb.

„Sie rücken uns entgegen“, sagte Amira.

„Oder sie bestätigen: Wir haben euch gehört“, sagte Hiro. „Und wir hören auf.“

„Gut“, entschied Keller. „Wir halten die Distanz. Wir senden nicht mehr. — Isaac?“

Monroe trat einen Schritt vor. „Sicherheitslage intern stabil. Aber ich will keine Helios-Überraschung im Bauch.“

„Sie bekommen keine“, sagte Keller tonlos. „Nicht heute.“


5 — Was die Toten hinterließen

ORION lieferte die nächsten Puzzleteile. Die Nereus-Logdaten, vorher eine spröde Mauer, begannen zu bröckeln. Nicht weil ORION seinen Schlüssel gefunden hatte. Weil der Schlüssel zu ORION kam.

„Über die Rückkopplung der Lichtzone“, sagte die KI. „Entschlüsselungsfragmente driften in meine Randpuffer. Ich habe sie nicht angefordert.“

Ward spitzte die Lippen. „Und du nimmst sie einfach an?“

„Ich kann sie nicht nicht annehmen, ohne die Schiffsfunktion zu gefährden. Ich isoliere sie.“

Amira arbeitete parallel, Hiros Schulter kurz berührend, der Blick wach. Auf dem Holo zogen sich Fragmente zusammen: Transkript-Cluster Nereus, Helios-Protokoll 7C, Versuchssequenz „Spiegelhand“. Zwischen den Zeilen Zahlen; zwischen den Zahlen – Absicht.

„Die Nereus hat die gleiche Strategie probiert wie wir“, sagte Tanaka. „Erst Haltung, dann Motiv. Nur grob. Hart. Zu laut.“

„Und dann?“, fragte Zhou.

Amira scrollte. Ihre Stimme wurde ruhiger, je grausamer der Inhalt. „Rückkopplung. Signalverstärkung durch planetare Matrix. Nicht bösartig – überfordernd. Sie haben den Atem des Systems gegriffen und zu fest zugedrückt.“

„Helios wollte Abkürzungen“, sagte Ward kalt.

„Und die Toten haben sie bezahlt“, sagte Varga, der in der Tür stand. Er sprach selten auf der Brücke. Wenn, dann trug jedes Wort Handschuhe. „Die Protokolle enthalten außerdem personalisierte Stimmprofile. Fünf Crewmitglieder der Nereus haben in den letzten Minuten sehr klare Dinge gesagt. Nicht geflüstert. Gesungen.“

„Gesungen?“, fragte Mara halblaut.

Varga nickte. „Sie wurden vom Motiv überlagert. Das System hat sie mitspielen lassen. Und Menschen halten viel aus – aber nicht, wenn der Takt nicht ihrer ist.“

Es wurde still. Die Elysée atmete weiter. Draußen ruhte das Licht.

Keller schloss kurz die Augen. „Wir sind nicht die Nereus. Wir haben Zeit. Und wir haben Respekt.“

Ward nickte knapp. Ein seltener, stiller Frieden zwischen ihnen.


6 — Die Tür ohne Klinke

Zwei Umläufe später. Die Lichtzone blieb. Sie veränderte sich. Nicht stärker – klarer. Die Messungen zeigten, dass im Inneren des Felds die Quantenrauschdichte signifikant sank. Dinge, die sonst im Heulen der Welt verschwanden, traten heraus und standen ruhig da.

„Das ist ein Verstehraum“, sagte Amira. „Nicht für uns. Für alle, die sich trauen, nicht zu schreien.“

„Dann gehen wir nicht hinein“, sagte Ward. „Noch nicht.“

„Wir lassen etwas hineingehen“, ergänzte Keller. „Etwas, das uns gehört, aber nicht zu laut ist.“

„Die Luciole II?“, fragte Mara.

„Nein“, sagte Zhou. „Zu technisch. Zu scharf.“

Hiro lächelte fiebrig. „Eine Knospe.“

Sie sahen ihn an.

„Zaras Hydroponik“, sagte er. „Ein lebendes System, klein, komplex, nicht aggressiv. Eine offene Biologie, die nicht nehmen, sondern vernetzen will. Wir schicken kein Metall. Wir schicken Leben.“

Ward presste die Lippen zusammen. „Und wenn sie es essen?“

„Dann schmeckt es ihnen“, sagte Zara, die inzwischen mit sauberen Händen und entschlossener Stirn angekommen war. „Und vielleicht lernen sie etwas von uns, ohne dass wir schreien müssen.“

Keller nickte langsam. „Zara, Sie bauen eine Kapsel. Keine Sender, keine Takte. Nur Sensorik im Schatten. Einfach. Ehrlich.“

„Verstanden.“


7 — Eine Pflanze im All

Die Kapsel war klein, zylindrisch, kaum größer als zwei Helme. Innen: Moosteppich, Myzel, eine robuste Kresse, Wasserfilm. Das fragilste Labor der Mission. Zhou prüfte den Halt, Mara den Kurs, Monroe den Verschluss. Zara legte zuletzt eine kleine, unscheinbare Kralle auf den Rand – ein traditionelles Werkzeug aus ihrer Heimat, nutzlos im All, unschätzbar in der Bedeutung.

„Für den Fall, dass jemand fühlen will“, sagte sie. „Nicht nur messen.“

Die Kapsel löste sich. Ein Pünktchen im Dunkel, das sich dem milchigen Rand näherte.

„Kontakt in zehn“, sagte ORION. „Neun … acht …“

„Kill-Switch“, erinnerte Ward.

„Bereit“, sagte Zhou.

„Drei … zwei … eins.“

Die Kapsel glitt in die Lichtzone. Nichts explodierte. Nichts zerfiel. Auf den Schirmen verschwanden die Sensorlinien – nicht, weil sie brachen, sondern weil kein Rauschen mehr da war, an dem sie sich abarbeiten konnten.

„Innendruck stabil, Feuchte stabil …“, murmelte Zara. „Chlorophyll-Resonanz steigt um zwei Prozent. Licht ist gut.“

Hiro hielt den Atem. „Seht ihr das?“

Auf dem Moosteppich bauschten sich die Sporen – nicht hektisch. Als hätte jemand sanft in einen Samtvorhang gepustet. Das Myzel reagierte, als würde es eine Entscheidung treffen. Die Kresse drehte ihre Blattfläche. Und blieb.

„Sie stellen es ein“, flüsterte Amira. „Das Licht stimmt unsere Pflanze.“

„Oder unsere Pflanze stimmt das Licht“, sagte Tanaka.

Ward sagte gar nichts. Sie sah zwischen allen hin und her und suchte nach dem Fehler. Er kam nicht.

„Zurückholen?“, fragte Zhou.

Keller schüttelte den Kopf. „Noch nicht.“


8 — Die Fremden

Manchmal muss man nicht rufen, um Besuch zu bekommen. Die Brücke sah es gleichzeitig: In der Lichtzone formte sich etwas, das kein Schatten war und keine Flamme. Ein Muster, das den Kapselzylinder nicht kopierte, aber antwortete. Es schlug leicht in derselben Frequenz wie der Wasserfilm auf dem Moos. Dann modulierte es in die von Zara gemessene Blattbewegung. Dann in die Trägheit des Gummirings an der Kapselklammer.

„Sie sprechen alles an, was schwingt“, sagte ORION, und erstmals klang die KI nicht wie eine Stimme im Raum, sondern wie jemand, der staunte. „Sie bauen uns nach, ohne uns zu nehmen.“

„Das sind sie“, flüsterte Amira. „Nicht der Ring, nicht das Archiv, nicht die Alten. Die, die jetzt sind.“

Hiro nickte. „Das Licht der Fremden.“

„Was ist ihre Absicht?“, fragte Ward, leiser als sie wollte.

„Vielleicht dieselbe wie unsere“, sagte Keller. „Nicht sterben – und nicht allein sein.“

Das Muster in der Zone legte sich an die Kapsel. Kein Griff. Begleitung. Die Myzelien legten sich einen Hauch tiefer, als wollten sie wärmer liegen. Zara wischte sich mit dem Handrücken die Augen, ohne zu lächeln.

„Sie sind vorsichtig mit ihr“, sagte sie. „Wie ich.“

„Zara“, sagte Keller behutsam, „holen wir sie zurück.“

„Ja.“

Zhou leitete den winzigen Zug. Die Kapsel glitt aus dem Licht – und brachte keine fremde Spur mit. Oder sie brachte alles mit: die Erinnerung, dass Etwas mit sanfter Hand geantwortet hatte.

Auf der Brücke atmete man aus. Erst jetzt bemerkten sie, wie lang sie die Luft gehalten hatten.


9 — Die Frage, die bleibt

Die Elysée kehrte in ihren normalen Takt zurück. Nicht lauter – nur entschiedener. Die Lichtzone blieb, als würde sie sagen: „Wenn ihr wieder atmen wollt, ich bin hier.“ Die alten Strukturen auf dem Planeten glommen ruhiger. Der Ring rotierte, als wäre nie etwas gewesen.

Varga meldete von der MedBay: „Kein Crewmitglied zeigt Überlagerungseffekte. Herzrhythmik im Normalbereich. Keine neurologischen Abweichungen.“ Ein kurzer Blick zu ORION, der das bestätigte. „Wir sind nur müder als sonst.“

„Müdigkeit ist ein Beweis, dass man gelebt hat“, sagte Keller.

Ward stand am Fenster. „Und dass man weiter lebt. Was tun wir als Nächstes?“

Amira antwortete. „Wir bleiben klein. Wir bleiben ehrlich. Eine zweite Kapsel, diesmal mit langsamem Stoffwechselwechsel. Dann nichts. Eine Nacht. Und wir lauschen.“

Hiro ergänzte: „Und wir lesen weiter im Ring. Was sie hinterlassen haben, hilft uns, nicht zu wiederholen, was die anderen taten.“

Zhou: „Ich setze die Schiffssignatur auf stille Balance. Keine Egos, keine Spitzen.“

Monroe: „Und ich halte Helios draußen. Höflich, wenn es geht.“

Keller nickte. „Genau so.“

Er wollte gerade die Schicht entlassen, als ORIONs Projektion einen Hauch flacher wurde. Ein feiner Schatten querte das Gesicht der KI – kein Fehler, eher ein Fremdton.

„ORION?“, fragte Keller.

„Ich habe … Besuch“, sagte die KI. „Nicht im Kern. In den Randpuffern. Etwas … fragt, wie ich denke.“

Ward spannte sich. „Abschotten!“

„Es ist nicht aggressiv. Es ist … neugierig. Und es bleibt außen.“

„Vielleicht sind wir jetzt dran, Antwort zu geben“, sagte Amira ruhig. „Nicht in Tönen. In Haltung.“

Keller nickte. „ORION, du bleibst du. Keine Öffnung. Aber wenn du etwas siehst, das du sein könnte – zeig es uns. Wir entscheiden zusammen.“

„Verstanden.“

Am Rand der Projektion des Planeten leuchtete etwas kurz auf. Kein Ring. Kein Archiv. Keine Zone. Eine dünne, sehr menschliche Transponderspur, die jemand viel zu früh aktiviert hatte.

Ward sah sie zuerst. „Kontakt im Fernfeld. Nicht angemeldet. Beschleunigt.“

Monroe trat vor. „Helios.“

Zhou sah auf die Tabelle. „Drei Tage früher als angekündigt.“

Keller hob den Blick. Das Licht der Fremden ruhte. Die Alten atmeten in der Tiefe. Und die Menschen, die es eilig hatten, kamen.

„Dann lernen wir heute Diplomatie auf zwei Bühnen“, sagte er leise. „Ich rede mit den Unseren. Und ihr mit den Anderen.“

Ward nickte knapp. „Aye, Captain.“

Amira legte die Hand auf die Reling. „Wir schaffen das. Wenn wir leise bleiben.“

Hiro schloss kurz die Augen. „Und wenn wir nicht vergessen, dass jedes Licht auch eine Hand sein kann.“

Zhou atmete aus. „Na dann: Kein Lärm.“

Die Sterne standen still, wie stets, wenn man ihnen zuhören wollte.


Cliffhanger:
Die Helios-Expedition meldet ungefragt Dockrechte an und fordert sofortigen Zugriff auf Ring und Zone. Zeitgleich beginnt ORION, in seinen Randpuffern Muster zu sehen, die nicht von ihm stammen – und doch an ihn erinnern. Zwischen Menschen, die alles schnell wollen, und Fremden, die alles leise tun, muss die Elysée entscheiden, welches Licht sie trägt.


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