Eine Erde unter Milliarden Welten

Wie klein ist unser Platz im Universum wirklich?

Wenn wir morgens aus dem Fenster schauen, wirkt unsere Welt riesig.

Deutschland, Europa, Kontinente und Ozeane – schon auf der Erde sind Entfernungen so groß, dass Menschen viele Stunden benötigen, um sie mit Flugzeugen zu überwinden. Eine Reise zum Mond dauert Tage. Zum Mars wären wir mit heutiger Technik Monate unterwegs.

Doch dann betrachten wir ein Bild wie das oben.

Plötzlich schrumpft alles zusammen.

Die Erde verschwindet vollkommen. Unsere Sonne wird zu einem winzigen Punkt in einer gewaltigen Spiralgalaxie. Und selbst diese Galaxie, unsere Milchstraße, ist nur eine von sehr vielen Galaxien im beobachtbaren Universum.

Das Bild vermittelt deshalb eine faszinierende und grundsätzlich richtige Botschaft:

Wir leben auf einer winzigen Welt in einem unvorstellbar großen Kosmos.

Allerdings lohnt es sich, die darauf genannten Zahlen etwas genauer anzusehen. Denn eine davon ist nach heutigem Wissensstand sogar erheblich zu niedrig angesetzt.

Und genau dort beginnt unsere Reise.


Unsere Erde – für uns alles, für das Universum ein winziger Punkt

Die Erde besitzt einen Durchmesser von ungefähr 12.700 Kilometern.

Für uns Menschen ist das gewaltig. Trotzdem gehört sie astronomisch betrachtet zu den kleineren Welten unseres Sonnensystems.

Sie kreist gemeinsam mit sieben weiteren großen Planeten um unsere Sonne.

Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun bilden gemeinsam mit Monden, Zwergplaneten, Asteroiden und Kometen unser Sonnensystem.

Doch schon an dieser Stelle müssen wir uns von einer Vorstellung verabschieden, die Menschen viele Jahrhunderte begleitet hat:

Unsere Sonne ist nichts Einzigartiges.

Sie ist ein Stern.

Und zwar ein ziemlich gewöhnlicher.

Natürlich ist sie für uns von entscheidender Bedeutung. Ohne ihre Energie gäbe es auf der Erde vermutlich kein Leben, wie wir es kennen.

Kosmisch betrachtet gehört sie jedoch zu einer gigantischen Sternenfamilie.


Die Sonne ist nur einer von sehr vielen Sternen

Wie viele Sterne besitzt unsere Milchstraße?

Ganz genau wissen wir es erstaunlicherweise nicht.

Schätzungen bewegen sich meistens in einem Bereich von ungefähr 100 bis 400 Milliarden Sternen.

Die Zahl von rund 200 Milliarden Sternen, die auf unserem Ausgangsbild genannt wird, ist deshalb durchaus plausibel.

Aber warum können Astronomen die Sterne nicht einfach zählen?

Der Grund ist eigentlich ganz simpel:

Wir leben mitten in der Milchstraße.

Wir können unsere Galaxie nicht von außen betrachten.

Wenn wir nachts über einer dunklen Landschaft das helle Band der Milchstraße sehen, blicken wir durch einen Teil ihrer Scheibe hindurch. Gaswolken und kosmischer Staub verdecken dabei viele Sterne.

Vor allem in Richtung des galaktischen Zentrums liegt so viel Materie zwischen uns und weiter entfernten Regionen, dass sichtbares Licht teilweise kaum hindurchkommt.

Astronomen müssen deshalb verschiedene Messmethoden miteinander kombinieren.

Infrarotteleskope können beispielsweise durch Staub hindurchblicken, der für sichtbares Licht undurchsichtig erscheint.

Aus diesen Beobachtungen entstehen Modelle.

Und diese Modelle zeigen uns:

Unsere Sonne ist nur einer von mindestens vielen Milliarden anderen Sternen.


Wo befindet sich unsere Sonne eigentlich?

Auf dem Bild sehen wir die Sonne ungefähr in einem äußeren Bereich der Galaxie.

Das ist grundsätzlich richtig.

Unsere Milchstraße ist eine sogenannte Balkenspiralgalaxie.

Im Zentrum befindet sich eine dichte Ansammlung von Sternen. Von dort ziehen sich große Spiralstrukturen durch die galaktische Scheibe.

Unsere Sonne befindet sich nicht direkt in einem der größten Hauptarme.

Sie liegt in einer kleineren Struktur zwischen dem Perseus-Arm und dem Schütze-Arm.

Dieser Bereich wird häufig als Orion-Sporn, Orion-Arm oder Local Arm bezeichnet.

Vom Zentrum der Milchstraße sind wir ungefähr 26.000 Lichtjahre entfernt.

Diese Zahl verdient einen Moment Aufmerksamkeit.

Ein Lichtjahr bezeichnet die Entfernung, die Licht innerhalb eines Jahres zurücklegt.

Licht bewegt sich mit ungefähr 300.000 Kilometern pro Sekunde.

In einer einzigen Sekunde könnte ein Lichtstrahl die Erde mehr als siebenmal umrunden.

Und trotzdem benötigt Licht ungefähr 26.000 Jahre, um die Entfernung zwischen unserer Region und dem Zentrum der Milchstraße zu überbrücken.

Wenn wir also heute bestimmte Vorgänge aus dem Zentrum unserer Galaxie beobachten, sehen wir sie nicht so, wie sie heute stattfinden.

Wir sehen sie so, wie sie vor ungefähr 26.000 Jahren aussahen.

Astronomie ist deshalb immer auch eine Reise in die Vergangenheit.


Im Zentrum wartet ein Monster

Auf unserem Bild steht mitten in der Galaxie eine kleine Bezeichnung:

Sgr A*

Das steht für Sagittarius A*.

Dabei handelt es sich um das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße.

Seine Masse entspricht ungefähr vier Millionen Sonnen.

Vier Millionen Sterne wie unsere Sonne – als Masse eines einzigen Schwarzen Lochs.

Das klingt gewaltig.

Und trotzdem muss man eine Sache richtig einordnen.

Die große leuchtende gelbliche Region, die auf Darstellungen der Milchstraße häufig zu sehen ist, ist nicht das Schwarze Loch selbst.

Ein Schwarzes Loch lässt aus seinem Inneren kein Licht entkommen.

Die Helligkeit des galaktischen Zentrums entsteht vor allem durch gewaltige Mengen von Sternen, heißem Gas und anderen Materiestrukturen.

Das Schwarze Loch sitzt unsichtbar mitten darin.

Wir wissen unter anderem von seiner Existenz, weil Astronomen Sterne beobachtet haben, die mit enormer Geschwindigkeit um einen scheinbar unsichtbaren Mittelpunkt kreisen.

Aus ihren Bahnen lässt sich die Masse des zentralen Objektes berechnen.


Jetzt wird es bei den Planeten richtig spannend

Auf unserem Ausgangsbild steht:

„Die Erde ist nur 1 von 3,2 Milliarden Planeten in unserer Galaxie.“

Das klingt bereits beeindruckend.

Doch nach heutigem Wissensstand dürfte diese Zahl deutlich zu niedrig sein.

Astronomen gehen inzwischen davon aus, dass Planeten wahrscheinlich eher die Regel als die Ausnahme sind.

Eine wichtige Erkenntnis der modernen Astronomie lautet:

Fast überall dort, wo Sterne entstehen, können auch Planeten entstehen.

Unsere Milchstraße dürfte deshalb nicht nur einige Milliarden Planeten besitzen.

Wissenschaftliche Schätzungen sprechen bereits seit Jahren von mindestens ungefähr 100 Milliarden Planeten.

Und möglicherweise sind es erheblich mehr.

Manche Sterne besitzen vielleicht überhaupt keine Planeten.

Andere besitzen mehrere.

Unsere Sonne besitzt acht große Planeten.

Das berühmte System TRAPPIST-1 besitzt beispielsweise sieben bekannte Planeten.

Es wäre deshalb keineswegs überraschend, wenn die Zahl der Planeten in unserer Galaxie mehrere Hundert Milliarden erreichen würde.

Die Erde wäre dann nicht eine Welt unter 3,2 Milliarden.

Sie wäre möglicherweise eine Welt unter Hunderten Milliarden Planeten allein in unserer Milchstraße.

Und wir haben unsere eigene Galaxie dabei noch nicht einmal verlassen.


Aber wir kennen doch nur einige Tausend Exoplaneten

Genau hier entsteht häufig ein Missverständnis.

Wenn Wissenschaftler von möglicherweise Hunderten Milliarden Planeten sprechen, bedeutet das natürlich nicht, dass wir alle diese Welten bereits einzeln gesehen haben.

Bis heute wurden nur einige Tausend Planeten außerhalb unseres Sonnensystems eindeutig bestätigt.

Diese Planeten nennt man Exoplaneten.

Wie können Astronomen dann behaupten, dass es wahrscheinlich Milliarden davon gibt?

Die Antwort lautet:

Statistik.

Stellen wir uns vor, wir wollten wissen, wie viele rote Autos in Deutschland unterwegs sind.

Wir müssten nicht jedes einzelne Auto zählen.

Wenn wir eine ausreichend große und möglichst repräsentative Anzahl untersuchen, können wir hochrechnen, welcher Anteil ungefähr rot ist.

Astronomen gehen ähnlich vor.

Weltraummissionen wie Kepler haben über längere Zeiträume sehr viele Sterne beobachtet.

Dabei wurde unter anderem nach winzigen Helligkeitsveränderungen gesucht.

Wenn ein Planet von unserer Perspektive aus vor seinem Stern vorbeizieht, verdeckt er einen winzigen Teil des Sternlichts.

Der Stern wird für kurze Zeit minimal dunkler.

Dieses Verfahren nennt man Transitmethode.

Wenn solche Helligkeitseinbrüche regelmäßig auftreten, kann daraus auf einen umlaufenden Planeten geschlossen werden.

Natürlich funktioniert diese Methode nur dann, wenn die Umlaufbahn zufällig passend zu unserer Blickrichtung liegt.

Genau diese Beobachtungseffekte können Wissenschaftler aber statistisch berücksichtigen.

Das Ergebnis ist beeindruckend:

Planeten scheinen im Universum überhaupt nichts Ungewöhnliches zu sein.


Wie viele dieser Welten könnten der Erde ähneln?

Nun kommen wir zu einer der spannendsten Fragen überhaupt.

Wie viele dieser Planeten könnten Bedingungen besitzen, unter denen Leben möglich wäre?

Zunächst müssen wir allerdings einen Begriff erklären:

die habitable Zone.

Damit ist der Entfernungsbereich um einen Stern gemeint, in dem auf einem geeigneten Planeten theoretisch flüssiges Wasser existieren könnte.

Flüssiges Wasser gilt als eine wichtige Voraussetzung für das Leben, wie wir es kennen.

Doch ein Planet in der habitablen Zone ist keineswegs automatisch eine zweite Erde.

Die Venus zeigt uns sehr deutlich, wie stark eine Atmosphäre die Entwicklung eines Planeten beeinflussen kann.

Sie ist ungefähr so groß wie die Erde.

Trotzdem herrschen auf ihrer Oberfläche Temperaturen von mehr als 400 Grad Celsius.

Der Mars zeigt das andere Extrem.

Er besitzt Hinweise darauf, dass auf seiner Oberfläche vor Milliarden Jahren große Mengen flüssigen Wassers existierten.

Heute ist er kalt, trocken und besitzt nur noch eine sehr dünne Atmosphäre.

Entfernung zum Stern allein reicht also nicht.

Auch Atmosphäre, Magnetfeld, geologische Aktivität, chemische Zusammensetzung und die Aktivität des Zentralsterns spielen eine wichtige Rolle.

Trotzdem sind die bisherigen Schätzungen faszinierend.

Aus Daten der Kepler-Mission wurde abgeleitet, dass es allein in unserer Milchstraße möglicherweise Hunderte Millionen felsige Welten geben könnte, die sich in grundsätzlich interessanten Bereichen um sonnenähnliche Sterne befinden.

Eine oft genannte Größenordnung liegt bei ungefähr 300 Millionen potenziell habitablen felsigen Planeten.

Das bedeutet ausdrücklich nicht:

300 Millionen zweite Erden.

Aber es bedeutet:

300 Millionen Welten, bei denen grundlegende Voraussetzungen möglicherweise interessant genug sind, dass Astronomen genauer hinsehen möchten.


Bedeutet das, dass irgendwo Leben existieren muss?

So verlockend diese Schlussfolgerung klingt:

Nein.

Wir wissen es schlicht nicht.

Bis heute besitzen wir keinen bestätigten Nachweis außerirdischen Lebens.

Keine eindeutig außerirdische Bakterie.

Keinen bestätigten biologischen Fund auf dem Mars.

Kein zweifelsfrei künstliches Radiosignal von einem anderen Stern.

Keine nachgewiesene außerirdische Zivilisation.

Wir kennen bislang genau einen Planeten, auf dem Leben existiert:

die Erde.

Und genau das macht die Sache wissenschaftlich so schwierig.

Wir besitzen nur eine einzige Probe.

Stellen wir uns vor, jemand zeigt uns einen einzigen Lottoschein.

Dieser Lottoschein hat gewonnen.

Könnten wir daraus berechnen, wie häufig Lotteriegewinne sind?

Nein.

Uns fehlen Vergleichsmöglichkeiten.

Genauso sieht es beim Leben im Universum aus.

Wir wissen, dass Leben entstehen kann.

Denn wir sind hier.

Wir wissen aber nicht, wie wahrscheinlich dieser Vorgang ist.

Vielleicht entsteht einfaches Leben relativ schnell, sobald die Bedingungen stimmen.

Vielleicht ist bereits der erste Schritt von unbelebter Chemie zu selbstreplizierenden Strukturen extrem selten.

Wir wissen es noch nicht.


Vielleicht ist einfaches Leben häufig – intelligentes aber selten

Selbst wenn wir eines Tages Mikroorganismen auf einem anderen Planeten entdecken sollten, wäre damit noch lange nicht geklärt, wie häufig intelligentes Leben ist.

Auf der Erde existiert Leben seit Milliarden Jahren.

Technologisch hoch entwickelte Zivilisationen gibt es auf unserem Planeten jedoch erst seit einem winzigen Moment der Erdgeschichte.

Die Menschheit benutzt Radio erst seit etwas mehr als einem Jahrhundert.

Raumfahrt betreiben wir erst seit wenigen Jahrzehnten.

Verglichen mit dem Alter der Erde ist unsere technische Zivilisation kaum mehr als ein Augenblick.

Vielleicht entstehen Mikroorganismen auf vielen Welten.

Vielleicht entwickeln sich auch komplexe Tiere häufig.

Aber möglicherweise schaffen nur sehr wenige Arten den Sprung zu einer technologischen Zivilisation.

Auch das wissen wir bislang nicht.


Unsere Milchstraße ist größer, als wir uns vorstellen können

Die Milchstraße besitzt einen Durchmesser von ungefähr 100.000 Lichtjahren.

Das bedeutet:

Licht benötigt ungefähr 100.000 Jahre, um sie einmal vollständig zu durchqueren.

Unsere Raumsonden dagegen sind langsam.

Sehr langsam.

Zumindest im kosmischen Maßstab.

Selbst Voyager 1, eines der schnellsten und am weitesten von der Erde entfernten menschengemachten Objekte, würde für Reisen zwischen weit entfernten Sternen Zeiten benötigen, die weit über menschliche Lebensspannen hinausgehen.

Genau deshalb gibt es in Science-Fiction-Geschichten Warp-Antriebe, Hyperraum, Sprungtore oder andere Methoden, mit denen gigantische Entfernungen überbrückt werden.

Science Fiction löst damit ein sehr reales Problem.

Das Universum besitzt wahrscheinlich mehr interessante Reiseziele, als wir jemals besuchen könnten.

Uns fehlt vor allem eines:

Geschwindigkeit.


Und jetzt verlassen wir unsere Milchstraße

Unsere Milchstraße wirkt bereits unvorstellbar groß.

Doch sie ist nur eine Galaxie.

Unser bekanntester großer Nachbar ist die Andromedagalaxie.

Sie befindet sich ungefähr 2,5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

Wenn wir Andromeda beobachten, sehen wir deshalb Licht, das vor ungefähr 2,5 Millionen Jahren dort gestartet ist.

Wir sehen die Galaxie also nicht so, wie sie heute aussieht.

Wir sehen ihre Vergangenheit.

Je tiefer Astronomen in das Universum blicken, desto weiter reisen sie gleichzeitig zurück in der Zeit.

Die entferntesten Galaxien zeigen uns das Universum so, wie es nur wenige Hundert Millionen Jahre nach dem Urknall ausgesehen hat.

Teleskope sind deshalb gewissermaßen Zeitmaschinen.

Nicht, weil wir tatsächlich in die Vergangenheit reisen.

Sondern weil das Licht Zeit benötigt, um uns zu erreichen.


Gibt es wirklich zwei Billionen Galaxien?

Auf unserem Bild steht außerdem:

„Die Milchstraße ist nur 1 von 2 Billionen Galaxien im beobachtbaren Universum.“

Diese Zahl ist nicht einfach erfunden.

Eine bekannte wissenschaftliche Hochrechnung kam tatsächlich zu dem Ergebnis, dass das beobachtbare Universum möglicherweise ungefähr zwei Billionen Galaxien enthalten könnte.

Viele davon wären sehr klein, extrem lichtschwach oder so weit entfernt, dass frühere Teleskope sie nicht direkt erkennen konnten.

Allerdings ist diese Zahl keine exakt abgezählte Menge.

Andere wissenschaftliche Darstellungen sprechen vorsichtiger von mindestens Hunderten Milliarden Galaxien.

Das bedeutet keinen Widerspruch.

Es zeigt vielmehr, wie Wissenschaft funktioniert.

Astronomen müssen abschätzen, wie viele sehr schwache Galaxien existieren, die wir nicht direkt sehen können.

Außerdem hat sich die Zahl der Galaxien im Laufe der kosmischen Geschichte verändert.

Galaxien verschmelzen miteinander.

Kleine Galaxien werden von größeren aufgenommen.

Und je leistungsfähiger unsere Teleskope werden, desto mehr sehr schwache Objekte können wir entdecken.

Die Aussage „bis zu zwei Billionen Galaxien“ sollte deshalb als wissenschaftliche Hochrechnung verstanden werden.

Nicht als fertig abgezählte kosmische Inventarliste.


Das beobachtbare Universum ist nicht unbedingt das gesamte Universum

Dabei steckt in dieser Aussage ein besonders wichtiges Wort:

beobachtbar.

Wir wissen nicht, wie groß das gesamte Universum tatsächlich ist.

Wir können nur den Teil untersuchen, von dem Licht oder andere Signale grundsätzlich genügend Zeit hatten, uns zu erreichen.

Das Universum ist ungefähr 13,8 Milliarden Jahre alt.

Man könnte deshalb zunächst glauben, wir könnten höchstens 13,8 Milliarden Lichtjahre weit sehen.

Doch während das Licht zu uns unterwegs war, hat sich der Raum selbst ausgedehnt.

Deshalb befinden sich viele Regionen, deren Licht uns heute erreicht, inzwischen wesentlich weiter entfernt.

Der Durchmesser des beobachtbaren Universums wird heute auf ungefähr 93 Milliarden Lichtjahre geschätzt.

Und dahinter?

Dort könnte es weitergehen.

Vielleicht sehr viel weiter.

Vielleicht ist das gesamte Universum sogar unendlich groß.

Wir wissen es nicht.

Und möglicherweise werden wir diese Frage niemals endgültig beantworten können.


Eine Zahl mit beinahe unvorstellbar vielen Nullen

Versuchen wir einen einfachen Gedankenversuch.

Nehmen wir nur 100 Milliarden Galaxien an.

Und stellen wir uns stark vereinfacht vor, jede davon hätte durchschnittlich 100 Milliarden Sterne.

Dann kämen wir auf ungefähr:

10.000.000.000.000.000.000.000 Sterne.

Eine Eins mit 22 Nullen.

Natürlich ist diese Rechnung nur eine grobe Illustration.

Galaxien unterscheiden sich gewaltig.

Manche besitzen lediglich einige Millionen Sterne.

Andere enthalten Billionen.

Doch der Maßstab wird deutlich.

Und wenn Planeten ähnlich häufig sind wie in unserer Milchstraße, dann dürfte auch die Gesamtzahl der Planeten im beobachtbaren Universum vollkommen jenseits unseres normalen Vorstellungsvermögens liegen.

Wie viele davon besitzen Ozeane?

Wie viele haben Wolken?

Wie viele besitzen Monde?

Wie viele haben Kontinente?

Wie viele erleben Sonnenaufgänge?

Wie viele sind vollkommen tot?

Und wie viele könnten irgendwo Leben tragen?

Vielleicht sogar Leben, das gerade nach oben schaut und sich genau dieselbe Frage stellt.


Wenn es so viele Welten gibt – wo sind dann alle?

Damit erreichen wir eine der berühmtesten Fragen der modernen Astronomie.

Das Fermi-Paradoxon.

Vereinfacht lautet es:

Wenn es so viele Sterne und Planeten gibt und das Universum so alt ist – warum sehen wir dann keine eindeutigen Spuren anderer technologischer Zivilisationen?

Vielleicht ist intelligentes Leben extrem selten.

Vielleicht zerstören sich technische Zivilisationen nach relativ kurzer Zeit selbst.

Vielleicht sind die Entfernungen einfach zu groß.

Vielleicht kommunizieren andere Zivilisationen auf Arten, die wir noch gar nicht erkennen können.

Vielleicht interessieren sie sich überhaupt nicht dafür, Radiosignale ins All zu senden.

Vielleicht suchen wir erst viel zu kurze Zeit.

Oder vielleicht sind wir tatsächlich fast allein.

Wir kennen die Antwort nicht.


Unsere Radiosignale sind gerade erst losgeflogen

Ein interessanter Gedanke zeigt, wie schwierig die Suche sein könnte.

Die Menschheit sendet erst seit ungefähr einem Jahrhundert leistungsfähige Radiosignale aus.

Diese Signale bewegen sich mit Lichtgeschwindigkeit.

Unsere sogenannte Radioblase besitzt deshalb nur einen Radius von ungefähr hundert Lichtjahren.

Das klingt groß.

Verglichen mit den ungefähr 100.000 Lichtjahren Durchmesser der Milchstraße ist es jedoch fast nichts.

Eine mögliche Zivilisation in 5.000 Lichtjahren Entfernung könnte unsere Radiosignale noch gar nicht empfangen haben.

Und selbst wenn sie sofort antworten würde, müssten wir weitere 5.000 Jahre warten.

Ein einziger kosmischer Dialog könnte also länger dauern als die gesamte bisherige menschliche Geschichtsschreibung.


Vielleicht sind wir ungewöhnlich früh

Es gibt noch eine weitere faszinierende Möglichkeit.

Vielleicht gehört die Menschheit zu den relativ frühen technologischen Zivilisationen.

Das Universum ist zwar bereits 13,8 Milliarden Jahre alt.

Aber kleine Sterne, besonders rote Zwergsterne, können extrem lange existieren.

Manche könnten theoretisch Billionen Jahre leuchten.

Verglichen damit ist unser heutiges Universum möglicherweise noch sehr jung.

Vielleicht liegt der größte Teil der möglichen Geschichte des Lebens im Kosmos noch vor uns.

Vielleicht sind wir nicht zu spät gekommen.

Vielleicht sind wir erstaunlich früh.


Und plötzlich wird die Erde wieder sehr groß

Die Beschäftigung mit astronomischen Größen hat eine seltsame Wirkung.

Zunächst macht sie uns winzig.

Die Erde ist nicht Mittelpunkt des Sonnensystems.

Die Sonne ist nicht Mittelpunkt der Milchstraße.

Die Milchstraße ist nicht Mittelpunkt des Universums.

Und wir Menschen nehmen keinen besonderen geografischen Platz im Kosmos ein.

Aber gleichzeitig wird unsere Erde dadurch unglaublich wertvoll.

Denn von all den Milliarden oder möglicherweise Billionen Welten kennen wir bislang nur eine einzige, auf der wir sicher wissen, dass Leben existiert.

Nur einen Planeten mit Wäldern.

Nur einen mit Walen und Elefanten.

Nur einen mit Vögeln, Bienen, Blumen und Menschen.

Nur einen, auf dem Musik komponiert wurde.

Nur einen, auf dem jemand ein Teleskop gebaut hat und begonnen hat, über seinen Platz im Universum nachzudenken.

Vielleicht gibt es Millionen solcher Welten.

Vielleicht Milliarden.

Vielleicht sind sie selten.

Bis wir eine zweite bewohnte Welt entdecken, bleibt die Erde unsere einzige Gewissheit.


Was stimmt also an unserem Ausgangsbild?

Die grundsätzliche Aussage ist richtig.

Unsere Sonne befindet sich weit außerhalb des galaktischen Zentrums.

Im Zentrum unserer Milchstraße liegt Sagittarius A*, ein supermassereiches Schwarzes Loch mit ungefähr vier Millionen Sonnenmassen.

Eine Zahl von ungefähr 200 Milliarden Sternen für die Milchstraße ist durchaus plausibel.

Auch die berühmte Hochrechnung von bis zu rund zwei Billionen Galaxien im beobachtbaren Universum existiert tatsächlich.

Nur eine Zahl des Bildes fällt deutlich aus dem Rahmen:

3,2 Milliarden Planeten wären nach heutigem Wissensstand wahrscheinlich viel zu wenig.

Bereits seit Jahren gehen wissenschaftliche Untersuchungen davon aus, dass unsere Milchstraße mindestens ungefähr 100 Milliarden Planeten besitzt.

Möglicherweise sind es mehrere Hundert Milliarden.

Eine modernere Version der Aussage könnte deshalb ungefähr so lauten:

Die Erde ist eine von wahrscheinlich mindestens 100 Milliarden Welten in unserer Milchstraße.
Die Sonne ist einer von ungefähr 100 bis 400 Milliarden Sternen.
Und die Milchstraße ist nur eine von Hunderten Milliarden – möglicherweise sogar bis zu rund zwei Billionen – Galaxien im beobachtbaren Universum.

Eigentlich ist diese korrigierte Version sogar beeindruckender als das ursprüngliche Bild.


Die vielleicht größte Frage der Menschheit

Irgendwo zwischen diesen gewaltigen Zahlen befindet sich möglicherweise die Antwort auf eine uralte Frage:

Sind wir allein?

Wir kennen inzwischen Tausende Planeten außerhalb unseres Sonnensystems.

Wir wissen, dass Planeten keine Seltenheit sind.

Wir wissen, dass viele Sterne Planetensysteme besitzen.

Wir kennen felsige Welten.

Wir kennen Gasriesen.

Wir kennen Planeten, die zwei Sterne umkreisen.

Wir kennen Welten, die ihrem Stern so nahe sind, dass ihre Oberfläche glühend heiß ist.

Und wir kennen Planeten, bei denen Bedingungen zumindest teilweise an die Erde erinnern könnten.

Doch bislang fehlt der entscheidende Fund.

Ein zweites Beispiel für Leben.

Vielleicht entdecken wir irgendwann Mikroorganismen unter der Oberfläche des Mars.

Vielleicht finden wir Spuren biologischer Aktivität in den Ozeanen unter den Eiskrusten einiger Monde.

Vielleicht entdecken wir in der Atmosphäre eines weit entfernten Exoplaneten eine Kombination von Gasen, die sich nur schwer ohne biologische Prozesse erklären lässt.

Vielleicht empfangen wir irgendwann ein künstliches Signal.

Oder wir suchen noch Jahrhunderte und finden nichts.

Auch das wäre eine gewaltige wissenschaftliche Erkenntnis.

Denn je mehr Welten wir untersuchen, ohne Leben zu entdecken, desto außergewöhnlicher könnte unsere eigene Erde erscheinen.


Ein letzter Blick auf den kleinen gelben Punkt

Schauen wir zum Schluss noch einmal auf das Bild.

Dort befindet sich irgendwo in einer Spiralstruktur ein winziger gelber Punkt.

Sonne.

Um diesen Stern kreist ein Planet, der auf dieser Darstellung viel zu klein wäre, um überhaupt sichtbar zu sein.

Auf diesem winzigen Planeten sitzt vielleicht gerade jemand vor einem Bildschirm und betrachtet ein Bild der Milchstraße.

Ein Wesen, dessen Körper aus Atomen besteht, die vor Milliarden Jahren im Inneren längst vergangener Sterne entstanden sind.

Sternenstaub betrachtet die Sterne.

Materie versucht, das Universum zu verstehen, aus dem sie selbst hervorgegangen ist.

Vielleicht liegt genau darin unsere besondere Stellung.

Nicht darin, Mittelpunkt des Universums zu sein.

Sondern darin, dass wir erkennen können, dass wir es nicht sind.

Wir können beobachten.

Wir können messen.

Wir können fragen.

Wir können lernen.

Wir können hinausblicken und versuchen zu verstehen, was sich dort draußen befindet.

Und vielleicht wird irgendwann eine der größten Fragen unserer Geschichte beantwortet.

Vielleicht entdecken wir eines Tages, dass wir Teil eines Universums voller Leben sind.

Vielleicht stellen wir fest, dass intelligentes Leben extrem selten ist.

Oder vielleicht erfahren wir niemals die vollständige Wahrheit.

Bis dahin bleibt uns dieser winzige gelbe Punkt.

Unsere Sonne.

Und eine noch viel kleinere Welt daneben.

Unsere Erde.

Kosmisch betrachtet beinahe bedeutungslos klein.

Für uns jedoch:

alles.


Quellen

  • NASA Science: Informationen zur Milchstraße, ihrer Größe, Sternzahl und Struktur
  • NASA / Hubble: Untersuchungen zur geschätzten Zahl von mindestens 100 Milliarden Planeten in der Milchstraße
  • NASA Jet Propulsion Laboratory: Studien zur Häufigkeit von Planeten in unserer Galaxie
  • NASA Exoplanet Science: Aktueller Forschungsstand zu bestätigten Exoplaneten und Planetensystemen
  • NASA / Kepler Mission: Untersuchungen zu felsigen und potenziell habitablen Planeten
  • NASA / WISE Mission: Beobachtungen zur Spiralstruktur der Milchstraße und zur Position unseres Sonnensystems
  • European Space Agency ESA: Informationen zu Sagittarius A* und dem galaktischen Zentrum
  • Hubble Space Telescope / Conselice et al.: Wissenschaftliche Hochrechnungen zur möglichen Anzahl von Galaxien im beobachtbaren Universum
  • NASA Astrobiology und NASA Science: Forschungsstand zur Suche nach außerirdischem Leben

Hinweis zur Erstellung

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell aufbereitet. Die KI wurde zur Strukturierung, verständlichen Erklärung wissenschaftlicher Zusammenhänge und sprachlichen Ausarbeitung eingesetzt.

Wissenschaftliche Angaben wurden anhand veröffentlichter Informationen unter anderem von NASA, ESA und astronomischen Forschungsarbeiten abgeglichen.

Angaben zur Anzahl von Sternen, Planeten und Galaxien sind teilweise wissenschaftliche Schätzungen. Sie können sich durch neue Beobachtungen, leistungsfähigere Teleskope und zukünftige Forschung verändern.

Redaktionsstand: 12. September 2026

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