Gesteinsplanet am falschen Ort

Warum LHS 1903e die Planetenforschung überrascht

Wenn wir an ein Planetensystem denken, haben viele von uns sofort unser Sonnensystem im Kopf. Innen kreisen die kleinen, festen Welten: Merkur, Venus, Erde und Mars. Weiter draußen kommen die großen Gas- und Eisriesen: Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Dieses Muster wirkt logisch. Nah am Stern ist es heiß. Dort können leichte Gase schlechter gehalten werden. Weiter draußen ist es kälter. Dort können Planeten leichter dicke Hüllen aus Wasserstoff, Helium und anderen flüchtigen Stoffen ansammeln.

Lange Zeit war genau dieses Bild eine Art Grundmodell für die Planetenentstehung. Nicht, weil alle Planetensysteme genauso aussehen müssten wie unseres, sondern weil die Physik dahinter zunächst überzeugend ist. In der Nähe eines jungen Sterns herrschen Hitze, starke Strahlung und ein heftiger Teilchenwind. Weiter außen bleibt mehr Gas und Eis erhalten. Also erwartet man eher innen Gesteinsplaneten und weiter außen gasreichere Planeten.

Doch dann kommt ein System wie LHS 1903.

Dort wurde ein Planet entdeckt, der in dieses einfache Bild nicht richtig hineinpasst. Er ist offenbar ein Gesteinsplanet, befindet sich aber außen in einem System, in dem zwischen ihm und dem Stern bereits zwei gasreichere Mini-Neptune liegen. Vereinfacht gesagt: Die Reihenfolge ist nicht wie erwartet „felsig – felsig – gasförmig – gasförmig“, sondern eher „felsig – gasförmig – gasförmig – felsig“. Genau das macht die Entdeckung so spannend.

Der Planet heißt LHS 1903e. Er gehört zu einem System um einen roten Zwergstern, etwa 116 Lichtjahre von der Erde entfernt. 116 Lichtjahre klingt unfassbar weit, und das ist es auch. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die Licht in einem Jahr zurücklegt. Licht schafft in einer Sekunde rund 300.000 Kilometer. In einem Jahr kommt da eine kaum vorstellbare Entfernung zusammen. Trotzdem liegt LHS 1903 astronomisch gesehen noch in unserer galaktischen Nachbarschaft.

Was ist LHS 1903?

LHS 1903 ist ein sogenannter roter Zwerg. Rote Zwerge sind kleine, kühle Sterne. Sie sind deutlich masseärmer und lichtschwächer als unsere Sonne. Viele von ihnen leben extrem lange, viel länger als sonnenähnliche Sterne. Der Grund ist einfach: Sie verbrauchen ihren Brennstoff langsamer. Unsere Sonne ist ein eher durchschnittlicher Stern, aber rote Zwerge sind in der Milchstraße besonders häufig.

Um LHS 1903 kreisen nach den aktuellen Beobachtungen vier bekannte Planeten. Der innerste Planet, LHS 1903b, ist offenbar eine Gesteinswelt. Danach folgen LHS 1903c und LHS 1903d, zwei Planeten mit ausgedehnteren Atmosphären. Solche Welten werden oft als Mini-Neptune oder Sub-Neptune bezeichnet. Sie sind kleiner als Neptun, aber größer oder gasreicher als typische Gesteinsplaneten. Und ganz außen im bekannten System befindet sich LHS 1903e — offenbar wieder ein Gesteinsplanet.

Das ist der eigentliche Knackpunkt.

Denn nach dem einfachen Standardbild hätte man außen eher einen gasreicheren Planeten erwartet. Dort ist es kühler, dort sollte ein wachsender Planet leichter eine Gashülle behalten können. Stattdessen sieht es so aus, als hätte dieser äußere Planet kaum oder keine große Gashülle. Er scheint eine feste, felsige Welt zu sein.

Wie findet man so einen Planeten überhaupt?

Exoplaneten, also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, sieht man meistens nicht direkt. Sie sind viel zu klein, viel zu lichtschwach und stehen aus unserer Sicht sehr nahe an ihrem hellen Stern. Einen Planeten neben seinem Stern direkt zu fotografieren, ist ungefähr so schwierig, als wollte man aus großer Entfernung ein Glühwürmchen neben einem Scheinwerfer erkennen.

Deshalb nutzen Forschende indirekte Methoden.

Eine besonders wichtige Methode ist die Transitmethode. Dabei beobachtet man einen Stern sehr genau und wartet darauf, dass ein Planet vor ihm vorbeizieht. Aus unserer Sicht verdeckt der Planet dann einen winzigen Teil des Sternlichts. Der Stern wird für kurze Zeit minimal dunkler. Dieser Helligkeitsabfall ist klein, aber messbar. Wenn er regelmäßig wiederkommt, deutet das auf einen Planeten hin.

Genau für solche Beobachtungen wurde unter anderem das NASA-Weltraumteleskop TESS gebaut. TESS sucht nach regelmäßigen Helligkeitseinbrüchen bei vielen Sternen. Die drei inneren Planeten von LHS 1903 wurden mit solchen Daten aus den Jahren 2019 bis 2023 identifiziert. Später spielte auch Cheops eine wichtige Rolle. Cheops ist ein Weltraumteleskop der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Es sucht nicht einfach blind nach neuen Planeten, sondern untersucht bekannte oder vermutete Exoplaneten besonders genau. Bei LHS 1903 half Cheops dabei, den vierten Planeten genauer zu bestätigen und einzuordnen.

Zusätzlich werden oft Messungen der Radialgeschwindigkeit genutzt. Dabei schaut man, ob ein Stern durch die Schwerkraft seiner Planeten ein wenig hin und her wackelt. Ein Planet kreist nämlich nicht einfach nur um einen völlig unbeweglichen Stern. Beide Körper ziehen sich gegenseitig an. Der Stern bewegt sich dadurch minimal. Aus dieser Bewegung kann man Hinweise auf die Masse eines Planeten bekommen.

Wenn man Radius und Masse eines Planeten kennt, kann man seine Dichte berechnen. Und die Dichte verrät viel über seine Zusammensetzung. Ein Planet mit geringer Dichte besitzt wahrscheinlich eine große Gashülle. Ein dichter Planet ist eher felsig oder metallreich.

Warum ist LHS 1903e so ungewöhnlich?

Um die Überraschung zu verstehen, muss man sich die Entstehung eines Planetensystems vorstellen.

Ein Stern entsteht aus einer großen Wolke aus Gas und Staub. Wenn sich im Zentrum genug Material sammelt, beginnt irgendwann die Kernfusion. Der junge Stern zündet. Um ihn herum bleibt eine Scheibe aus Gas und Staub zurück: die protoplanetare Scheibe. In dieser Scheibe verklumpen Staubteilchen, wachsen zu Brocken, dann zu Planetesimalen, dann zu planetaren Embryonen und schließlich zu Planeten.

Dabei spielt der Abstand zum Stern eine große Rolle.

Nah am Stern ist es heiß. Leichte Stoffe verdampfen dort leichter oder werden durch Strahlung und Sternwind entfernt. Deshalb bleiben dort vor allem schwerere Materialien übrig: Gestein und Metalle. Weiter draußen ist es kälter. Dort können sich mehr flüchtige Stoffe halten, zum Beispiel Wasser, Methan, Ammoniak und vor allem große Mengen Gas. Deshalb können dort Planeten entstehen, die eine dicke Hülle bilden.

Im Sonnensystem sieht man dieses Muster sehr deutlich. Die Erde ist ein Gesteinsplanet. Jupiter ist ein Gasriese. Saturn ebenfalls. Uranus und Neptun sind Eisriesen mit dichten Hüllen aus Gasen und flüchtigen Stoffen.

Bei LHS 1903 ist die Reihenfolge aber merkwürdig. Innen liegt ein felsiger Planet. Danach kommen zwei gasreichere Planeten. Und dann, am äußeren Rand des bekannten Systems, kommt wieder ein felsiger Planet. Es wirkt so, als hätte jemand in der kosmischen Sortierung eine Karte an die falsche Stelle gelegt.

Natürlich sagen Wissenschaftler nicht wirklich: „Den Planeten darf es nicht geben.“ Gemeint ist: Nach den einfachen Erwartungen dürfte ein solcher Planet dort nicht so leicht entstehen oder müsste eigentlich eine größere Gashülle besitzen. Die Entdeckung ist also kein Beweis, dass die Physik falsch ist. Sie zeigt aber, dass unsere bisherigen Modelle nicht alle Möglichkeiten vollständig erklären.

Die „Radiuslücke“: Warum kleine Planeten in zwei Gruppen fallen

Ein wichtiges Stichwort bei dieser Entdeckung ist die sogenannte Radiuslücke. Bei vielen beobachteten Exoplaneten sieht man, dass kleine Planeten nicht gleichmäßig in allen Größen vorkommen. Stattdessen gibt es zwei auffällige Gruppen.

Die eine Gruppe besteht aus Supererden. Das sind Planeten, die größer oder massereicher als die Erde sein können, aber grundsätzlich eher felsig sind. Die andere Gruppe besteht aus Sub-Neptunen. Das sind Planeten mit ausgedehnten Atmosphären, aber kleiner als Neptun. Zwischen beiden Gruppen gibt es einen Bereich, in dem vergleichsweise weniger Planeten gefunden werden. Diese Lücke nennt man Radius Valley, also Radiuslücke.

Warum gibt es diese Lücke?

Eine Erklärung lautet: Manche Planeten entstehen mit Gashülle, verlieren sie aber später wieder. Ein junger Stern ist aktiv, sendet starke Strahlung aus und kann leichtere Atmosphären regelrecht abtragen. Auch innere Wärme eines Planeten kann dazu beitragen, dass Gas entweicht. Ein Planet, der ursprünglich wie ein kleiner Neptun begann, kann dadurch später wie eine felsige Supererde aussehen.

Eine andere Erklärung lautet: Manche Planeten hatten von Anfang an kaum Gas. Sie entstanden also gar nicht erst als gasreiche Planeten, sondern bildeten sich in einer Umgebung, in der nicht mehr genug Gas vorhanden war.

LHS 1903e ist genau deshalb interessant. Er könnte ein Beispiel für diese zweite Möglichkeit sein. Vielleicht entstand er nicht einfach als normaler gasreicher äußerer Planet, der später seine Atmosphäre verlor. Vielleicht entstand er erst dann, als die protoplanetare Scheibe bereits weitgehend gasarm war.

Eine mögliche Lösung: Planeten entstehen nicht immer gleichzeitig

Das Forschungsteam diskutiert eine besonders spannende Erklärung: Die vier Planeten von LHS 1903 könnten nicht gleichzeitig entstanden sein. Stattdessen könnten sie nacheinander gewachsen sein.

Das klingt zunächst unspektakulär, ist aber wichtig. In vielen einfachen Darstellungen entstehen Planeten mehr oder weniger gemeinsam in einer Scheibe. Natürlich dauert dieser Vorgang Millionen Jahre, aber man stellt sich oft vor, dass die einzelnen Planeten im selben großen Entstehungsfenster heranwachsen. Bei LHS 1903 könnte es anders gewesen sein.

Die inneren Planeten könnten früher entstanden sein, als noch reichlich Gas vorhanden war. Der innerste Planet blieb felsig, weil er nah am Stern lag. Die beiden mittleren Planeten konnten sich Gashüllen sichern. Der äußere Planet dagegen könnte später entstanden sein, als das Gas der Scheibe bereits weitgehend verschwunden war. Dann hätte er zwar noch aus festem Material wachsen können, aber keine große Atmosphäre mehr ansammeln können.

Man kann sich das wie eine Küche vorstellen, in der mehrere Gäste nacheinander kommen. Die ersten bekommen noch Suppe, Brot und Hauptgericht. Wer später kommt, findet vielleicht noch Brot und etwas Gemüse, aber der große Topf ist leer. Übertragen auf LHS 1903e heißt das: Es gab vielleicht noch genug feste Bausteine für einen Gesteinsplaneten, aber nicht mehr genug Gas für eine dicke Hülle.

Diese Idee nennt man manchmal „inside-out planet formation“, also eine Entstehung von innen nach außen. Sie wurde schon früher theoretisch vorgeschlagen. LHS 1903 könnte nun ein besonders gutes Beispiel dafür liefern.

Könnte LHS 1903e seine Atmosphäre verloren haben?

Eine andere Möglichkeit wäre: Der Planet hatte ursprünglich eine Gashülle, verlor sie aber später.

Das ist grundsätzlich nicht abwegig. Planeten können Atmosphären verlieren. Starke UV- und Röntgenstrahlung des Sterns kann Gase aufheizen, sodass sie ins All entweichen. Gewaltige Einschläge können Atmosphären teilweise wegblasen. Auch die Nähe zum Stern spielt eine Rolle.

Bei LHS 1903e ist diese Erklärung aber schwieriger. Denn der Planet liegt weiter außen als die beiden gasreicheren Planeten. Wenn Strahlung die Ursache wäre, müsste man eher erwarten, dass die inneren Planeten stärker betroffen sind. Trotzdem besitzen die mittleren Planeten offenbar ausgedehnte Hüllen. Der äußere Planet dagegen nicht. Das passt nicht gut zu einer einfachen „der Stern hat alles weggeblasen“-Erklärung.

Auch große Kollisionen sind möglich. Ein gewaltiger Einschlag könnte einem jungen Planeten die Atmosphäre entreißen. Doch solche Szenarien müssen dynamisch plausibel sein. Die Bahnen der Planeten müssen dazu passen. Nach den bisherigen Untersuchungen scheint die Erklärung über eine spätere, gasarme Entstehung besser zum System zu passen.

Wichtig bleibt aber: Wissenschaft ist vorsichtig. Ein einzelnes System beweist nicht automatisch eine völlig neue Regel. Es liefert einen starken Hinweis. Weitere Beobachtungen müssen zeigen, ob es mehr solcher Systeme gibt.

Warum rote Zwerge besonders interessant sind

Rote Zwerge wie LHS 1903 sind für die Exoplanetenforschung sehr wichtig. Erstens sind sie häufig. Zweitens lassen sich Planeten um kleine Sterne oft leichter nachweisen als Planeten um große Sterne.

Bei der Transitmethode ist das einfach zu verstehen. Wenn ein Planet vor einem kleinen Stern vorbeizieht, verdeckt er einen größeren Anteil des Sternlichts als vor einem großen Stern. Der Helligkeitsabfall ist also deutlicher. Auch das Wackeln des Sterns durch die Schwerkraft des Planeten fällt bei einem kleinen Stern stärker auf.

Deshalb entdecken Forschende viele kleine Planeten um rote Zwerge.

Allerdings sind rote Zwerge auch kompliziert. Viele von ihnen sind aktiv. Sie können starke Strahlungsausbrüche zeigen. Für mögliche Atmosphären und Lebensbedingungen auf nahen Planeten ist das problematisch. Bei LHS 1903 geht es aber nicht in erster Linie um Leben, sondern um die Frage, wie Planeten entstehen und warum ein Gesteinsplanet an einer unerwarteten Stelle sitzt.

Ist LHS 1903e bewohnbar?

Nach allem, was derzeit bekannt ist, steht die Frage nach Bewohnbarkeit bei LHS 1903e nicht im Mittelpunkt. Der Planet ist vor allem wegen seiner Entstehungsgeschichte spannend. Ob er eine Atmosphäre besitzt, ob es dort Wasser geben könnte oder welche Oberflächenbedingungen herrschen, ist eine ganz andere Frage.

Ein Gesteinsplanet ist nicht automatisch eine zweite Erde. Merkur ist ein Gesteinsplanet, aber lebensfeindlich. Venus ist ein Gesteinsplanet, aber mit extremer Hitze und enormem Atmosphärendruck. Mars ist ein Gesteinsplanet, aber heute kalt, trocken und dünn atmosphärisch. Gestein allein reicht also nicht.

Für Bewohnbarkeit braucht es viele Faktoren: passende Temperatur, stabile Atmosphäre, möglicherweise flüssiges Wasser, geeignete chemische Bedingungen und langfristige Stabilität. Bei LHS 1903e wissen wir bisher vor allem: Er scheint nicht die erwartete große Gashülle zu besitzen. Das macht ihn wissenschaftlich bemerkenswert, aber nicht automatisch lebensfreundlich.

Was diese Entdeckung über unser Sonnensystem verrät

Eine der wichtigsten Lehren aus der Exoplanetenforschung lautet: Unser Sonnensystem ist nicht der Maßstab für alles.

Früher kannten wir nur unser eigenes System. Also bauten wir Theorien, die stark davon geprägt waren. Dann entdeckten Astronomen heiße Jupiter — riesige Gasplaneten, die extrem nah um ihre Sterne kreisen. Nach unserem Sonnensystem hätte man so etwas kaum erwartet. Danach kamen Supererden, Mini-Neptune, Planeten um Doppelsterne, Planeten mit extrem kurzen Umlaufzeiten und viele andere Überraschungen.

LHS 1903e gehört in diese Reihe von Entdeckungen, die nicht alles umwerfen, aber das Bild erweitern.

Vielleicht ist die Ordnung unseres Sonnensystems gar nicht die normale Standardordnung, sondern nur eine von vielen möglichen Varianten. Vielleicht entstehen Planetensysteme viel chaotischer, vielfältiger und zeitlich gestaffelter, als einfache Modelle nahelegen. Vielleicht spielen Wanderungen, verspätete Entstehung, Gasverlust, Kollisionen und die Lebensgeschichte der protoplanetaren Scheibe eine größere Rolle, als man früher dachte.

Das macht die Entdeckung so wertvoll. Sie zeigt nicht nur einen einzelnen fremden Planeten. Sie zeigt, dass die Natur mehr Wege kennt, Planeten zu bauen, als wir aus unserem eigenen Sonnensystem ableiten können.

Warum solche Entdeckungen wichtig sind

Man könnte fragen: Was bringt es uns, einen Gesteinsplaneten in 116 Lichtjahren Entfernung zu finden, den wir niemals besuchen werden?

Die Antwort ist: Solche Entdeckungen helfen uns, die Grundregeln der Planetenentstehung zu verstehen. Und diese Regeln betreffen letztlich auch uns. Die Erde ist nicht isoliert entstanden. Sie ist Teil eines kosmischen Prozesses. Wenn wir verstehen wollen, warum die Erde so wurde, wie sie ist, müssen wir auch verstehen, welche anderen Möglichkeiten es gibt.

Jedes ungewöhnliche Planetensystem ist wie ein neues Kapitel in einem großen Buch. Manche Kapitel bestätigen, was wir schon dachten. Andere streichen rote Linien unter Sätze, die wir zu sicher formuliert hatten. LHS 1903 gehört zu den Systemen, die sagen: „Schaut genauer hin. Es ist komplizierter.“

Genau das ist Wissenschaft. Nicht das sture Festhalten an alten Vorstellungen, sondern das ständige Prüfen, Ergänzen und Verbessern.

Ein kleiner Planet mit großer Bedeutung

LHS 1903e ist kein Planet, der „magisch“ oder unmöglich ist. Er verletzt keine Naturgesetze. Aber er sitzt an einer Stelle, an der man nach einfachen Modellen eher einen gasreicheren Planeten erwartet hätte. Stattdessen scheint er felsig zu sein.

Das macht ihn zu einem wichtigen Hinweis darauf, dass Planeten nicht immer gleichzeitig entstehen müssen. Manche könnten später wachsen, wenn das Gas in der jungen Planetenscheibe bereits verschwunden ist. Dann entstehen Welten, die nicht in die einfache Ordnung „innen felsig, außen gasreich“ passen.

So wird aus einem fernen Punkt in den Daten ein spannender Schlüssel zur Frage, wie Planetensysteme wirklich entstehen. Und vielleicht zeigt uns LHS 1903e am Ende nicht nur, dass fremde Sonnensysteme anders sein können als unseres. Vielleicht zeigt er uns auch, dass unser eigenes Sonnensystem nur eine Möglichkeit unter vielen ist — und dass das Universum beim Bau von Welten deutlich erfinderischer ist, als wir lange gedacht haben.


Quellen

Golem.de: Bericht über die Entdeckung des ungewöhnlichen Gesteinsplaneten im LHS-1903-System, inklusive Einordnung der vier bekannten Planeten, der Entfernung des Systems und der Beobachtungen durch TESS, Cheops und Gaia.

ESA: „Cheops discovers late bloomer from another era“, Hintergrundbericht der Europäischen Weltraumorganisation zur Rolle von Cheops, zur ungewöhnlichen Reihenfolge der Planeten und zur möglichen Entstehung in einer gasarmen Umgebung.

Wilson et al. / Science / arXiv: „Gas-depleted planet formation occurred in the four-planet system around the red dwarf LHS 1903“, wissenschaftliche Studie zur Entdeckung und Interpretation des Systems, einschließlich Transit- und Radialgeschwindigkeitsdaten, Radiuslücke und möglicher gasarmer Planetenentstehung.

DTU / Forschungsportal: bibliografische Angaben zur Science-Veröffentlichung von Wilson et al. und Zusammenfassung der Forschungsthemen zur gasarmen Planetenentstehung im System LHS 1903.

PubMed-Eintrag zur Science-Studie mit DOI und Veröffentlichungsdatum.

❗️❗️Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung einer KI; Ideen und Recherchen wurden KI-gestützt generiert.❗️❗️

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