„Das Flüstern der Sterne“
Auf der Brücke der Elysée vibrierte es leise. Kein Zittern, kein Ruckeln – eher ein gleichmäßiges Summen, wie ein Herzschlag. Captain Armand Keller saß in seinem Kommandosessel, die Augen auf den Hauptschirm gerichtet. Unter ihnen glitt die Erde vorbei – halb im Schatten, halb vom Sonnenlicht vergoldet.
„Status?“, fragte er, mit ruhiger Stimme.
„Alle Systeme grün“, meldete Commander Selina Ward, die Erste Offizierin. Ihre Hände glitten über das taktische Display, jeder Fingerstrich eine kleine Bestätigung. „Crew ist einsatzbereit, keine Ausfälle. Hydroponik meldet volle Funktion, MedBay steht bereit. Wir können jederzeit starten.“
Keller nickte. „Dann mal los.“
Er ließ den Blick über die Brücke wandern. Dr. Hiro Tanaka beugte sich über einen Holo-Scanner, die Brille auf der Nase, das Gesicht konzentriert. Lt. Commander Amira Solano überprüfte die Sensorkonfigurationen, während sie beiläufig eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich. Dr. Elias Varga stand mit verschränkten Armen neben der Med-Konsole – wie immer, ohne eine Mine zu verziehen.
Am rechten Stationsbogen hockte Isaac Monroe, der Sicherheitsoffizier, angespannt wie ein Sportler kurz vor dem Startschuss. Chief Engineer Lian Zhou war in ihrem Element; sie hatte die Augen auf die Energiekurven gerichtet; Keller wusste, dass sie jedes verdächtig unnormale Geräusch des Schiffs hören konnte wie andere Menschen Musik.
„ORION?“, fragte Keller schließlich.
Die holografische Gestalt der Schiffs-KI erschien neben ihm – durchsichtig, humanoid, neutral. „Captain. Reaktor stabil. Rotationsring bei 0,7 g. Alcubierre-Feldprojektoren im Standby. Countdown bis zum Sprungfenster: 22 Minuten.“
Keller atmete einmal tief durch. „Gut. Dann bringen wir die Menschheit an einen Ort, an dem noch keiner von uns war.“
Ward drehte sich halb zu ihm. „Ein paar Milliarden Augen werden live zuschauen.“
„Sollen sie.“ Keller beugte sich vor. „Aber das hier machen wir nicht für die Kameras. Das machen wir, weil wir es können – und weil wir es müssen.“
Minuten vor dem Sprung
Die Routine nahm ihnen die Nervosität nicht. Jeder auf der Brücke tat so, als wäre es ein normaler Flug, aber in Wahrheit war es das nicht. Noch nie war ein Schiff wie die Elysée gestartet. Noch nie hatte eine Crew versucht, den Raum selbst zu biegen.
„Antrieb hochfahren auf 80 Prozent“, meldete Zhou. „Feldprojektoren beginnen mit der Vorladung.“
Auf dem Hauptschirm war die Erde kleiner geworden, ein schimmerndes Juwel im Schwarz. Keller spürte, wie seine Kehle trocken wurde. Er dachte an die ersten Seefahrer, die ins Unbekannte aufbrachen – und dass keiner von ihnen wusste, ob am Horizont das Ende der Welt wartete.
„Alle Stationen, letzte Meldung“, sagte Ward.
„MedBay bereit“, kam es von Varga.
„Wissenschaft steht“, meldete Solano.
„Sicherheitsprotokolle aktiv“, Monroe.
„Antrieb im grünen Bereich“, Zhou.
„Sensoren kalibriert“, Tanaka.
„Hydroponik stabil“, Zara N’Komo aus dem zweiten Deck, ihre Stimme hell und klar über Intercom.
Keller nickte. „Gut. Dann, meine Damen und Herren – wir schreiben Geschichte.“
Der Sprung
„ORION, Blase aktivieren“, befahl Keller.
„Bestätigt.“
Für einen Moment blieb die Zeit stehen. Die Sterne verzogen sich nicht – aber sie wirkten, als würden sie auf Wasser schweben. Ein kurzes Flimmern lief durch das Schiff, wie eine Vibration tief im Inneren. Dann … Stille.
„Feld stabil“, meldete Zhou. „Wir sind drin.“
„Geschwindigkeit?“
„Effektiv 1,2 c.“
Ward atmete hörbar aus. „Dann sind wir wirklich unterwegs.“
Für Sekunden sagte niemand etwas. Jeder ließ es sacken – das Wissen, dass sie die Erde zurückgelassen hatten und jetzt durch einen Raum flogen, in dem noch niemand zuvor gewesen war. Zumindest kein Mensch.
„Captain?“, ORIONs Stimme war ruhig. „Einige Milliarden Menschen erwarten Ihr Statement.“
Keller überlegte nicht lange. „Sagen Sie ihnen: Wir sind auf Kurs. Und wir kommen zurück.“
Zwei Stunden später
Das Schiff lief ruhig. Monroe patrouillierte durch die Korridore, Amira fütterte die Sensoren mit Routinemessungen, und Tanaka hatte schon die erste Notiz in sein Log diktiert.
Auf der Brücke war es still, bis Zhou sich räusperte. „Captain. Ich sehe eine Abweichung.“
Keller hob den Kopf. „Welche Art?“
„Gravimetrisch. Winzige Verschiebungen im Zielsystem. Etwas Großes muss dort sein.“
Amira beugte sich vor. „Ein Planet?“
„Nein“, sagte Zhou langsam. „Es ist nicht rund. Es ist … strukturiert.“
Alle Blicke schossen zum Hauptschirm. Linien tauchten auf, zuerst nur als diffuse Schatten in der Kartierung. Dann schärfte ORION das Bild.
Ein Ring. Riesig. Zu gleichmäßig, um natürlich zu sein.
„Das ist nicht …“, Amira brach ab.
„… natürlicher Art“, vollendete Tanaka. Seine Stimme war leiser als sonst. „Das wurde von jemandem erbaut.“
Keller lehnte sich in seinem Sitz zurück. Sein Herz schlug schneller.
„Commander Ward, bringen Sie uns nach dem Austritt in eine sichere Umlaufbahn. Abstand halten.“
„Aye, Captain.“
Auf der Brücke herrschte Stille, während der Ring klarer zu erkennen war – ein filigranes Netz aus Metall und Schatten, das um einen fremden Planeten schwebte.
„Was immer das ist“, murmelte Keller, „es hat auf uns gewartet.“
Teil 2 – Erster Sprung
Die Elysée fiel aus dem Lichtsprung. Der Stern im Zentrum des Systems brannte scheinbar stabil. Auf dem Schirm erschien der Zielplanet – blaugrün, mit breiten Wolkenbändern. Und darüber, am Äquator, schwebte der Ring.
„Position halten. Fünfzigtausend Kilometer Abstand“, ordnete Keller an.
„Kurs steht“, sagte Mara O’Neill am Flugdeck. „Triebwerke minimal. Ich halte uns auf Linie.“
„Zhou?“
„Reaktoren stabil. Feldprojektoren im Leerlauf.“
„Wissenschaft?“
Amira beugte sich vor. „Atmosphäre auf dem Planeten ist atembar – zu dünn für Extremsportler, aber nicht toxisch. Ich sehe keine Oberflächenlichter.“
Hiro Tanaka zoomte in die Holo-Darstellung. „Der Ring ist segmentiert. Verstrebungen im regelmäßigen Raster, dazwischen Hohlräume. Keine zufällige Struktur. Das ist eine Maschine.“
Monroe prüfte die Taktiksensoren. „Keine aktiven Pings im Nahbereich. Kein Funkverkehr.“
„ORION, passives Scannen priorisieren. Keine aktiven Emissionen, solange nicht zwingend nötig“, sagte Ward.
„Bestätigt.“
Der Ring füllte den Schirm: matte Oberflächen, geschlossene Segmente, selten Einschnitte – als wären es Wartungsluken. In der Tiefe schimmerte etwas, das an gealtertes Keramikglas erinnerte.
„Temperatur ist gering vorhanden“, meldete Zhou. „Nicht viel. Aber zu warm, wenn das Ding seit Jahrtausenden abgeschaltet wäre.“
Hiro nickte kaum merklich. „Dann schläft es.“
Keller lehnte sich vor. „Wir beginnen mit einer unbemannten Annäherung. Mara, bring die Luciole raus.“
„Luciole startet“, sagte Mara. Auf dem Sekundärschirm löste sich die kleine Sonde aus dem Hangar und glitt ins Dunkel. Ihre Kamera schwenkte, die Bordlichter blieben aus.
„Korridor an Speiche 7“, sagte Hiro. „Dort vermute ich eine Art Zugang.“
„Verstanden. Manuell bis fünf Kilometer, danach Autopilot“, antwortete Mara.
Die Sonde huschte näher. Die Paneele zeigten feine Rillen, nicht dekorativ, eher funktional – Muster, die wie eingefrorene Wellen aussahen.
„Stopp“, sagte Hiro plötzlich. „Ein Stück zurück. Vergrößern.“
ORION verschärfte das Bild. In der Rille gab es Linien, gekrümmt, verbunden, wiederholt. Keine geordnete Schrift – aber eindeutig künstlichen Ursprungs.
„Eine Schrift?“, fragte Amira.
„Eher Vektoren“, murmelte Hiro. „Vielleicht Anweisungen. Ich zeichne das auf.“
„Luciole anhalten“, sagte Ward. „Keine Berührung verursachen.“
„Aye.“
Die Sonde stand ruhig im Raum. Sekunden vergingen.
„Captain“, meldete ORION, „ich registriere eine Feldveränderung im Innern der Speiche. Schwach, aber gleichbleibend.“
„Sperrfeld?“, Isaac war sofort hellwach.
„Noch nicht. Eher ein Herantasten.“
„Luciole, langsam zurück“, befahl Keller.
Mara gab minimalen Impuls. Die Sonde glitt ein wenig zurück – und bremste abrupt, als würde sie etwas sanft festhalten.
„Widerstand“, sagte Mara. „Düsen reagieren, aber mit Verzögerung.“
„Zhou?“
„Kein physischer Kontakt. Ein Feld bremst uns aus.“
Keller hob die Hand. „Keine aggressiven Maßnahmen ergreifen. Aber wir lassen erkennen, dass wir nicht wehrlos sind.“
Mara verringerte den Schub. Die Sonde driftete langsam nach hinten. Nach drei Sekunden gab das unsichtbare Etwas nach – die Luciole war frei.
Auf der Brücke atmete man hörbar aus.
„Gut“, sagte Keller. „Protokoll: Annäherung löst Reaktion aus. Keine Aggression, aber kontrolliert. Wir bleiben auf Abstand.“
„Einverstanden“, sagte Ward. „Nächster Schritt: Hochauflösender Rundumscan; danach die Daten an den Rat senden.“
„Machen wir. – Hiro, was sagen dir die Muster?“
„Noch zu wenig. Aber ich sehe Wiederholungen. Wenn das eine Sprache ist, verwendet sie Formen anstatt Laute – wie unsere, nur anders.“
„Ich versuche Impulse“, sagte Amira. „Vielleicht antwortet es auf Feldmuster anstatt auf herkömmliche Funkwellen.“
„Wir sollten nichts senden“, warf Ward ein, „bevor wir uns nicht genau überlegt haben, was wir mitteilen wollen.“
„Korrekt“, sagte Keller. „Keine Experimente.“
Monroe nickte kaum merklich. „Ich werde mal eine Runde durchs Schiff machen.“
„Machen Sie das.“
Im Korridor vor Schleuse 2 blieb Monroe stehen. Die Sensorleiste zeigte nichts Auffälliges. Und doch … Er beugte sich an das Wartungspanel, fuhr mit dem Handschuh über die Kante. Eine winzige Spur. Kein Kratzer. Eher ein Abdruck.
„ORION, wann war hier die letzte Wartung?“
„Heute nicht. Gestern nur Systemcheck – durch Chief Zhou selbst.“
„Kamera-Replay der letzten zwei Stunden.“
Ein Hologramm zeigte einen leeren Gang. Nichts außer ein paar Lichtschatten.
Monroe kniff die Augen zusammen. „Thermische Spuren?“
„Außer geringem Rauschen nichts Auffälliges.“
„Extrahiere mir eine Probe von der Dichtung.“
„Probe bereit in der Ausgabebox.“
Monroe nahm die Kartusche, versiegelte sie und steckte sie ein. „Ich bringe es zu Varga.“
„Verstanden.“
Wachsam setzte Monroe seine Runde fort.
„Der Rat möchte mit uns reden“, meldete ORION eine halbe Stunde später.
Der Hauptschirm füllte sich mit Gesichtern. Vertreter aus Politik, Forschung, Industrie. Alle schienen erwartungsvoll gespannt.
Keller gab einen genauen Bericht ab: Fund, Eigenschaften, eingeleitete Vorsichtsmaßnahmen. Dass die Luciole von den Fremden „angehalten“ worden war und die seltsamen Muster auf den Paneelen, wurde von ihm besonders betont.
„Ihre Einschätzung?“, fragte der Vorsitzende des Rats, ein untersetzter Mann mit schütterem Haar, Mitte fünfzig.
„Es ist definitiv künstlichen Ursprungs. Potenziell reaktiv auf Annäherung. Wir bleiben passiv, scannen weiter und halten Sicherheitsabstand, um nicht als Bedrohung zu wirken.“
Der Rat schien sich kurz zu beraten. Dann: „Einverstanden. Wir erwarten einen erneuten Bericht in acht Stunden. Halten Sie uns auf dem Laufenden.“
„Verstanden“, sagte Keller knapp.
Die Verbindung brach ab.
Ward sah zum Captain. „Das gibt uns etwas mehr Handlungsfreiheit.“
„Richtig“, sagte Keller und hob die linke Braue. „Zhou, halte jeglichen Energieausstoß niedrig. Mara, Kurs halten. Hiro, Amira – eure Auswertung bekommt höchste Priorität. Isaac—“
„—Sicherung läuft. Varga arbeitet dran.“ Monroe hielt die Probe hoch. „Gefunden an Schleuse 2.“
Kellers Blick verfestigte sich. „Gut. Das bleibt aber erst mal unter uns.“
„Verstanden.“
In der Messe war es stiller als sonst. Mara rührte in ihrem Becher, ohne zu trinken. Zara setzte sich zu ihr.
„Das sieht man von dir sonst nur, bevor du irgendwo zur Landung ansetzt“, sagte Zara.
Mara grinste schief. „Ich lande ungern in Fallen.“
„Wir landen ja nicht.“
„Noch nicht“, seufzte Mara.
Zara sah zum Fenster. Der Ring hing dort wie ein Zeichen. „Wenn das eine Maschine ist … was ist ihre Aufgabe?“
„Vielleicht beschützt sie jemanden oder etwas“, sagte Amira, die sich dazu gestellt hatte.
„Oder sie beschützt jemanden“, sagte Mara. „Vor Eindringlingen.“
Amira schwieg.
„Ich habe etwas“, sagte Hiro und betrat die Brücke. Er legte die Auswertungen auf eine Konsole. Die Linien auf dem Paneel bildeten Knoten – keine Reihen, eher Netze.
„Das sind Wiederholungen in verschiedenen Variationen“, erklärte er. „Ich glaube, das sind Anweisungen, wie man mit dem Ring kommunizieren kann.“
„Kannst du’s übersetzen?“, fragte Keller.
„Noch nicht. Aber ich beginne, die Struktur zu erkennen.“
„Langsam“, mahnte Ward. „Keine aktive Kommunikation.“
„Schon klar“, sagte Hiro. „Ich fang erst an zu senden, wenn ich weiß, was ein ‚Hallo‘ heißt.“
„Captain“, meldete ORION genau in diesem Moment, „ich registriere eine schwache Feldmodulation – nicht von uns. Quelle: Segment 14-B.“
„Reaktion auf uns?“, fragte Amira.
„Zeitlich korreliert mit unserem Scanfenster. Muster ist einfach. Ein Kreis. Acht Speichen. Es wiederholt sich.“
Der Hauptschirm zeigte das Symbol: Ring mit Speichen. Daneben Punktfolgen – eindeutig wiederholend.
Hiro atmete ein. „Es versucht, mit uns zu kommunizieren.“
„Keine Reaktion unsererseits“, sagte Keller. „Wir bleiben, wo wir sind. ORION, volle Auflösung auf 14-B. Mara, Kurs halten. – Und alle: ruhig durchatmen.“
Der Ring schimmerte einen Hauch heller, als würde er erwachen. Unten, auf dem Planeten, tat sich weiterhin nichts. Noch nicht.
„Das wird spannend“, flüsterte Mara.
„Das ist es schon“, sagte Keller. „Ab jetzt dürfen wir uns keinen Fehler erlauben.“
Teil 3 – Die Antwort
Auf der Brücke herrschte gespannte Stille. Nur das Summen der Systeme war zu hören.
Auf dem Schirm blinkte das Symbol: ein Kreis, acht Speichen, Punktreihen.
„Captain“, sagte ORION, „das Muster wiederholt sich. Zyklus alle 43 Sekunden. Intensität konstant.“
„Also kein unkontrolliertes, zufälliges Signal“, meinte Ward.
Hiro beugte sich über das Bild, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, als wollte er es nicht berühren. „Ob das eine Einladung ist …“
„Oder vielleicht auch eine Warnung“, warf Monroe ein.
Amira schüttelte leicht den Kopf. „Das glaube ich nicht. Ich erkenne keine aggressiven Aktionen.“
„Es reagiert auf unseren Scan“, stellte Zhou klar. „Es weiß, dass wir da sind.“
Keller stand auf. Er sah jeden seiner Offiziere kurz an. „Wir bleiben passiv. Keine Antwort. ORION, alle Aufzeichnungen duplizieren und sichern. Hiro, Amira, ihr beide analysiert, ob das Muster einen Schlüssel enthält. Isaac, deine Augen bleiben wachsam.“
„Verstanden“, kam es im Chor.
Die Minuten vergingen, der Ring blieb still – bis auf das wiederkehrende Signal, das sich immer wiederholte, als hätte es nur darauf gewartet, gehört zu werden.
Teil 4 – Spuren an Bord
Isaac Monroe war kein Freund von Zufällen. Er stand wieder an der Schleuse 2 und starrte die Probe an, die er Varga übergeben hatte. Der Mediziner legte sie unter das Spektrometer.
„Keine organischen Rückstände“, sagte Varga. „Aber Spuren von Polymer – allerdings aus einer uns unbekannten Zusammensetzung.“
„Jemand hat hier dran herumgefuscht.“
„Oder etwas“, korrigierte Varga.
Monroe verzog den Mund. „Das muss einer von uns gewesen sein.“
„Oder ein unentdeckter Eindringling.“ Varga sendete die Daten an ORION. „KI, Abgleich mit Crew-Equipment.“
„Negativ“, meldete ORION. „Keine Übereinstimmung mit ausgegebenem Material.“
„Verdammt“, murmelte Monroe. „Wir müssen Keller darüber in Kenntnis setzen.“
Teil 5 – Die Hypothese
Auf der Brücke präsentierte Hiro Tanaka seine Auswertung. Ein Hologramm schwebte über den Konsolen: die Linien der Paneele, verbunden durch wiederkehrende Muster.
„Das ist keine Sprache im klassischen Sinn“, erklärte er. „Es ist ein Protokoll. Der Ring hat mit sich selbst gesprochen – oder mit der Oberfläche. Feldmuster, Sequenzen, Wiederholungen. Alles deutet darauf hin, dass diese Struktur eine Art planetarer Regulator war.“
„Regulator?“, fragte Amira.
„Strahlung, Klima, Gravitation – vielleicht auch alles zusammen. Er könnte den Planeten terraformiert haben.“
Zhou verschränkte die Arme vor der Brust. „Und wenn er wieder aktiv wird? Wir haben keine Ahnung, wie er auf uns reagieren würde.“
„Noch ist er passiv“, sagte Hiro. „Aber er hat uns definitiv erkannt.“
„Und das gefällt mir überhaupt nicht“, brummte Monroe.
Teil 6 – Der Cliffhanger
Die Elysée hielt ihre Position. Der Ring hing unbewegt wie ein uraltes Relikt. Doch dann …
„Captain“, ORIONs Stimme war schärfer als sonst, „ich registriere eine plötzliche Energiespitze.“
„Quelle?“
„Segment 14-B. Genau dort, wo das Signal herkam.“
Zhou blickte auf ihre Anzeigen. „Das Feld fährt hoch. Rasant.“
„Intensität?“
„Zehn Prozent … zwölf … fünfzehn. Steigend.“
Auf dem Schirm glühte ein Teil des Rings schwach auf – erst wie glimmende Kohle, dann heller, bis Strukturen sichtbar wurden, die zuvor unsichtbar gewesen waren. Muster, Linien, Symbole.
„Es antwortet“, flüsterte Hiro.
„Nein“, korrigierte Ward. „Es erwacht.“
Auf der Brücke hielt man den Atem an.
„Alle Stationen: Alarmstufe Gelb“, befahl Keller. „Monroe, Sicherheitsprotokolle. Zhou, Triebwerke auf Standby. Mara – bereit zum Rückzug.“
„Aye, Captain!“
Das Glühen breitete sich aus. Paneele öffneten sich, als hätte man seit Jahrtausenden nur auf diesen Moment gewartet. Dahinter erschien ein Schimmer – nicht metallisch, nicht organisch. Etwas, das pulsierte wie lebendes Licht.
„Captain“, ORIONs Stimme war jetzt ungewöhnlich leise. „Der Ring … sendet kein Signal mehr. Er … scannt uns.“
Auf den Sensoren tastete ein unsichtbarer Strahl die Elysée ab, lief über den Rumpf, den Rotationsring, die Antriebe.
„Wir sind im Fokus“, sagte Amira.
Keller stand auf. Sein Gesicht war ernst, seine Stimme blieb fest. „Alle Mann – stillhalten. Wir rühren uns nicht.“
Das Licht wanderte, stoppte – und tastete dann die gesamte Brücke ab.
Der Raum füllte sich mit einem Muster, das niemand deuten konnte: Kreise, Linien, Spiralen, die sich ineinander verschränkten. Und in der Mitte, für den Bruchteil einer Sekunde, erschien ein Symbol: zwei Augen.
Dann erlosch das Licht. Der Ring war wieder dunkel.
Stille. Niemand sprach.
„Captain …?“, begann Ward.
Doch Keller hob nur die Hand. „Episode eins unserer Reise ist vorbei. Ab jetzt“, sagte er, „sind wir nicht mehr allein.“
Fortsetzung folgt …
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